Mit drei Bühnen und vier Produktionen pro Jahr gehört das Naturtheater Heidenheim in den fast 90 Jahren seines Bestehens zu den wichtigsten Kulturträgern des Landkreises Heidenheim. War es jahrelang allein die Sommerspielzeit auf der herrlichen Außenbühne, für die sich die Vereinsmitglieder engagierten, so kamen mit den Jahren zum Hauptstück das Kinderstück im Sommer sowie das Weihnachtsmärchen und das sogenannte Herbststück im Theatersaal hinzu, die kleineren Ensembles die Chance geben, ihr Talent und ihre Kreativität zu erproben. Und zu Beginn des Jahres heißt es schon seit geraumer Zeit "Bühne frei" für externe Künstler in der Reihe "Kultur im Café". Die EUROTAGE, deren Premiere im Jahr 1974 nicht von ungefähr in Heidenheim stattfand, hatte doch der Bund Deutscher Amateurtheater seine Geschäftsstelle nach Heidenheim verlegt, machten das Naturtheater darüber hinaus zu einem Zentrum des europäischen Amateurtheaterspiels.

An Attraktivität und Engagement eingebüßt hat die Sommerspielzeit dabei nicht das Geringste. Das lag und liegt vor allem an der Bühne, die dem Verein ihren heute gültigen Namen gibt: Naturtheater. Denn Die Natur selbst schafft die Kulisse für die jährliche Inszenierung: Die alten Bäume auf dem Schlossberg begrenzen die rund 2.500 qm Bühne. Damit ist das Naturtheater Heidenheim die zweitgrößte Freilichtbühne in Baden-Württemberg. Freilich schafft die Natur auch die Bedingungen: Da kommt es zuweilen vor, dass nicht nur der Mond in lauen Sommernächten über den Spielern wacht, sondern eben auch der Wind kräftig über den Schlossberg zieht und Regen das Spiel begleitet. Doch gespielt wird bei jeder Witterung, wohlwissend, dass König Kunde, der Zuschauer, davon nicht zu sehr beeinträchtigt wird. Denn mit der Überdachung der 1.100 Plätze in der Zuschauerhalle hat der Verein dafür gesorgt, dass die Natur für das Publikum lediglich von ihrer angenehmen Seite zu sehen ist. Natürlich nicht nur die Natur: Von Shakespeare bis Schiller, von Zuckmayer bis Brecht, von den Brüdern Grimm über Astrid Lindgren bis zu Michael Ende, vom klassischen Theater über explosive Komödien bis hin zum Musical - die kreativen Köpfe des Vereins schöpfen stets aus dem Vollen, wenn es darum geht, ihr Publikum zu erfreuen. Und letztlich damit die Menschen zu verbinden, ganz in dem Sinne, wie ihn einst die Gründerväter mit in die Grundsteine legten.

Im ersten Weltkrieg bereits beschlossen die späteren Gründer, ihr Leben künftig für etwas einzusetzen, das die Menschen nicht trennt, sondern sie verbindet: die Kunst. Bereits 1919 wurde der Gedanke in die Tat umgesetzt und der Verein als "Volkskunstvereinigung" gegründet. Fehlte noch eine eigene Bühne: Eine Naturbühne sollte es sein, und eine solche zu schaffen, das war in Zeiten der Inflation ein geradezu tollkühnes Unterfangen - aber es sollte gelingen. 1924 wies die Stadt Heidenheim einen ihr schönsten und repräsentativsten Plätze zugewiesen: Hinter dem Schloss entstand noch im gleichen Jahr das Naturtheater mit einer Zuschauerhalle mit fünf Eingängen. Mit "Wilhelm Tell", einem Ensemble von 200 Spielern und stets ausverkauften Vorstellungen ging das erste Jahr über die frisch geschaffene Bühne. Erste Abendvorstellungen fanden im Jahr 1946 statt. Im Jahr 1960 standen abermals große Baumaßnahmen an: Die Freilichtbühne wurde um einen Theatersaal mit Kasino, Kostümfundus, Schneiderei, Maske, Umkleide- und Geräteräume, neue Werkhalle, moderne Bestuhlung und Wirtschaftsstände erweitert, die im Jahr 2006 abermals durch große Umbaumaßnahmen auf den neuesten Stand gebracht wurden. Dazu gehört auch ein neu geschaffener Probenraum, der mit seiner Spiegelwand den Choreographen neue Möglichkeiten bietet.

Der Förderverein Naturtheater Heidenheim e.V. hat es sich zum Zweck bestimmt, das Naturtheater Heidenheim materiell und ideell zu unterstützen. Seit seiner Gründung im Jahr 1994 hat der Förderverein mit großem Engagement und vielen kreativen Projekten dazu beigetragen, dass das Naturtheater seinen wichtigen kulturellen Aufgaben ungeschmälert nachkommen kann.