Chaotisches Jahr und vorbildlicher Nachwuchs
Hauptversammlung des Naturtheaters : Spenden retten die Kasse im Jahr 2008
Mehr Ordnung, mehr Mitarbeit durch die Mitglieder und letztlich auch mehr Besucher und mehr Einnahmen - das wünschte sich Helga Banz, Vorstandsvorsitzende des Naturtheaters Heidenheim, bei der Hauptversammlung am Freitag in der Krankenhaus-Cafeteria.
"Das Natürliche ist das Chaos", mit diesem Zitat von Arthur Schnitzler eröffnete Helga Banz die Hauptversammlung und beschrieb damit gleichzeitig das zurückliegende Jahr, ihr erstes als Vorstandsvorsitzende, das ihr aufgrund der aufwendigen Musical-Produktion einen "sehr natürlichen", also sehr chaotischen Einstieg bescherte. Auch im Hinblick auf die Finanzen: "Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass das Jahr 2009 ein negatives Ergebnis haben wird", berichtete Helga Banz. Und das trotz Spenden und Zuschüssen, die zumindest im Jahr 2008 noch für ein Plus von 26788 Euro gesorgt hatten. Im Jahr 2009 wird dies nicht zu halten sein, da die Produktionskosten, insbesondere des Musicals "Oliver"! durch die Honorare für musikalischen Leiter, Choreograph, Orchester und vieles mehr die Kasse über die bisherigen Maßen hinaus strapaziert haben.
Auch bei der Mitarbeit durch die Mitglieder ist eine Grenze überschritten - die Arbeit rund um das Theaterspiel lastet auf wenigen Schultern - "wir sind am Anschlag", brachte es Beirat Markus Hirschberger auf den Punkt. Unterstützung forderte auch Bärbel Krause, im Theater zuständig für die Kostüme: "Viele, die einfach nur mitspielen wollen, wissen gar nicht, wie viel Arbeit geleistet werden muss, damit das überhaupt möglich ist". Dabei gebe es für jedes Mitglied ein Betätigungsfeld: Ob nun Streichen oder Hämmern für den Bühnenbau, Bügeln für die Kostüme, Kartenabreißen am Eingang und vieles mehr. Der Lösung des Problems soll künftig mit einer Zeiterfassungskarte nahe gekommen werden: Jedes Mitglied kann damit Arbeitsleistungen für den Verein erbringen und muss bei 20 Arbeitsstunden keinen Beitrag bezahlen. Mit einer Gegenstimme wurde dieser Vorschlag angenommen.
Wenn alle so tatkräftig bei der Sache wären wie die Jugend des Vereins, dann gäbe es das geschilderte Problem nicht: "Die Jugend ist einfach immer zur Stelle, wenn man sie braucht", lobte Helga Banz den Theaternachwuchs. Zudem konnten sich die Anwesenden im Rückblick des Jugendbeirates von dessen vielfältigen Aktivitäten überzeugen. Der Beirat hatte sich in seinem Rückblick einen ganz eigenen Reim auf die vergangene Saison gemacht und damit schon einmal launig auf die kommende Saison mit Goethes "Faust" vorbereitet.
Einstimmig in den Vorstand wiedergewählt wurden Anja Bäuerle und Jürgen Otto. Die Aufgaben des nach zehn Jahren im Vorstand nicht mehr angetretenen Lars Sörös-Helfert wird nun Petra Pfisterer übernehmen, die mit beachtlichen 67 von 81 Stimmen gewählt wurde.
Und in ihrem Wunsch nach mehr Ordnung hat Helga Banz in ihrem ersten Jahr als Vorstandsvorsitzende mächtig vorgelegt: Sie hat sich die "in die Jahre gekommene" Satzung vorgeknöpft, komplett auf Aktualität durchforstet und umgearbeitet. Neu aufgenommen wurde eine mögliche Vergütung für den Vorstand über die vom Gesetzgeber eingeräumte Ehrenamtspauschale von jährlich bis zu 500 Euro. Sämtliche Änderungen wurden mehrheitlich angenommen.
Zahlreiche Mitglieder geehrt
Kein geringerer als Helmut Kuhn, 34 Jahre lang Vorsitzender des Landesverbandes der Amateurtheater und Ehrenvorsitzender des Naturtheaters, nahm die zahlreichen Ehrungen im Rahmen der Hauptversammlung des Naturtheaters vor.
Für zehn Jahre Mitgliedschaft im Naturtheater Heidenheim wurden geehrt Gabriele Antoniuk, Gabriele und Günther Freudenmann, Suky-Diane Gentner, Christoph Harkai, Käthe Hesko, Jonas Hirschberger, Anna Otto, Olaf Otto sowie Hermann, Karin und Kevin Schrötter. Auf 20 Jahre Mitgliedschaft bringen es sowohl Othmar Parg als auch die auf der Bühne und im Regiestuhl nicht mehr wegzudenkende Susanne Schneider sowie Christian Horn, dem "Hans Dampf in allen Gassen" (Kuhn), der vor allem im Bühnenbau gar nicht mehr wegzudenken ist. Sie erhielten neben der Urkunde des Vereins auch die silberne Ehrennadel des Landesverbandes. Die silberne Ehrennadel des Bundesverbands deutscher Amateurtheater darf sich künftig Bettina Barth ans Revers heften: Die ebenfalls als Spielerin und Regisseurin gleichermaßen Erfolgreiche ist seit 25 Jahren im Verein. Für 30 Jahre Mitgliedschaft und ebenso lange Spielerzeit erhielt Ursula Metzler die goldene Ehrennadel des Landesverbandes. Ob Gold oder Silber, Landes- oder Bundesverband - Inge Eisenschmid hat sie alle schon, diese Auszeichnungen. Seit 35 Jahren ist sie im Verein, und mehr als das: Sie "fährt allen Spielern im Gesicht herum", scherzte Kuhn. Denn Inge Eisenschmid ist praktisch Mutter Maske des Vereins, immer wieder ebenso originell wie effektvoll in der Maskenbildnerei tätig - "ein Profi könnte das auch nicht besser", so das Lob von Helmut Kuhn. Für 40 Jahre passive Mitgliedschaft im Verein schließlich wurde Anni Kurz ausgezeichnet.



